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Berner Münster wieder mit «Rucksack»

Restaurierungen über der erneuerten Westfassade

 

Nach drei Jahren ohne «Rucksack» werden sich die Berner daran gewöhnen müssen, dass am Münster in der nächsten Zeit immer irgendwo ein Gerüst steht. Das untere und das obere Achteck des 1893 fertiggestellten Turms bedürfen einer Restaurierung. Besondere Beachtung gilt auch dem Schutz des Sandsteins gegen Witterungseinflüsse.

kfr. Bern, 9. Juni

 

Im November 2002 feierte man in Bern mit der Erneuerung der Westfassade auch den Abbau des Gerüsts am Münster - oder des «Rucksacks», wie die in 20 Jahren verwitterte Konstruktion genannt wurde. Auf die unter der Bezeichnung «Sack ab!» laufende Verschönerung folgt in den nächsten Wochen das Gegenteil; die ganze Ostseite des achteckigen Turms erhält wiederum ein Gerüst, und dieses wird je nach Baufortschritt «gezügelt». Dabei spielt das Wetter eine wichtige Rolle; lange Hitze- und Nässeperioden sind unerwünscht. Die Restaurierung erfolgt in voraussichtlich vier Etappen im Verlauf von zehn Jahren.

 

Turm-Achtecke

Der Turm des Berner Münsters besteht aus zwei Vierecken, die als Unterbau bis auf 46 Meter Höhe reichen, zwei Achtecken und dem Helm. Die Achtecke stammen aus unterschiedlichen Bauphasen; das untere wurde im frühen 16. Jahrhundert errichtet und vor über 110 Jahren letztmals instand gestellt, das obere Achteck war Teil der Fertigstellung des Turms von 1891 bis 1893. Die letzte Kontrolle vom Frühjahr habe bestätigt, dass eine umfassende Restaurierung unumgänglich sei, erklärten der kantonale Denkmalpfleger Jürg Schweizer, der das Münsterbaukollegium der Berner Münster-Stiftung präsidiert, und Münsterarchitekt Hermann Häberli. Vorab im obern Teil bestehe die Gefahr, dass Werkstücke von erheblicher Grosse plötzlich herabfallen könnten.

Die Münster-Stiftung trägt die Hauptlast für den Unterhalt und ist für die Restaurierungsarbeiten zuständig. Sie übernimmt damit eine Aufgabe, für die eigentlich die Stadt Bern zuständig wäre, und dafür stehen ihr jährlich 2,2 bis 2,4 Millionen Franken zur Verfügung. Die Mittel stammen von der Stadt, aus dem Lotteriefonds des Kantons, vom Bundesamt für Kultur, von der städtischen Burgergemeinde sowie aus Zuwendungen.

 

Massnahmen zum Schutz des Sandsteins

Denkmalpfleger und Architekt orientierten an der jährlichen Medienkonferenz der Stiftung auch über den Schutz des Sandsteins - zumeist aus der Gegend, teilweise aus dem Kanton Zug -, der beim Bau des Münsters verwendet worden war. Überprüfungen der Oberfläche ergaben, dass man im Spätmittelalter die Bildhauer- und Steinmetzarbeiten mit Öl getränkt und mit Farbanstrichen versehen hatte. Die Kenntnisse dieser Konservierungstechnik gingen aber im 18. Jahrhundert verloren, und sie müssen nun neu erworben werden. Allerdings ist dabei Vorsicht geboten; deshalb laufen seit 2001 Versuche für die Behandlung des Steins in Zusammenarbeit mit Experten für Denkmalpflege in Zürich und Lausanne.

Wichtige Erkenntnisse zum Oberflächenschutz zog man aus der Untersuchung und teilweisen Restaurierung der 550 Jahre alten Erlach-Ligerz-Kapelle auf der Südseite des Münsters. Namentlich am Gewölbe wurden schwere Schäden durch Wassereinbrüche festgestellt, und das führte die Fachleute zur Feststellung, dass sich keine bernische Landkirche in einem gleich schmutzigen und zerfallenen Zustand befinde wie gewisse Partien am Münster. Masswerk und Glas werden nun an Ort in enger Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Zentrum für Forschung zur Glasmalerei in Romont restauriert und konserviert.

 

 

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